Freitag, 22. Juli 2016

Und dann kam Anfield...

Nach den vielen schönen Touren der vergangenen Jahre gibt es nicht mehr viele Städte und Stadien in Europa, die man mit dem BVB in Europa noch wirklich sehen muss. San Siro, Nou Camp, Old Trafford, danach wird die Luft schon dünn! Das soll ja nicht heißen, dass man keine Lust mehr auf gesellige Europatouren mit den Freunden des FCs hat, aber so der letzte Funken, dieses „Wow, da muss ich hin!“ ist nicht mehr die Regel. Und dann kam die Auslosung zum Viertelfinale, dann kam Anfield! Es gibt ja wenige Ereignisse im Leben, da weiß man ein Leben lang, wo man gewesen ist, als die Nachricht kam: An 9/11 habe ich mit einem Kumpel eine Gartenhütte gebaut, als Papst Johannes Paul II. zu seinem Chef gerufen wurde, tigerte ich durch Kapstadt und als Molsiris uns am Leben gelassen hat, stand ich im Real in Duisburg an der Kasse. Als Alex Frei uns im März 2016 Liverpool zugelost hat, habe ich mit meiner Frau in Köln beim Inder zu meinem Geburtstagsmittagsessen gespeist und mein Handy brummte plötzlich Amok. Und ohne auch nur eine Sekunde in die What’sApp-Gruppe des Fanclubs zu schauen, wusste ich, wen uns unsere alte Losfee spendiert hatte. Nach dem Dessert riskierte ich einen ersten Blick und Teile des Vorstands, die Sektion Warendorf sowie Nicole schmiedeten bereits Reisepläne. Ich hatte mit der Frau den Deal, dass ich in der Rückrunde eine Europa-Tour machen würde und diese Karte hatte war mit Porto schon gezogen. Für mich stand prinzipiell felsenfest, dass ich nicht nochmal fahren würde, bis…ja bis Anfield seinen Zauber entfachte. An dieser Stelle daher einen expliziten Dank an meine zauberhafte Gattin, die nach kurzer Besprechung die Reiseampel auf Grün setzte! Nächste Hürde war die Kartenvergabe. 

Im Angesicht des attraktiven Reiseziels und der begrenzten Kapazität des Stadions war es klar, dass ein Ticket alles andere als sicher war. Deshalb wurde mit der Gepflogenheit, erst die Flüge zu buchen und dann auf die Karte zu spekulieren, kurzerhand gebrochen. Ein paar Tage später kam dann die Kartenzusage für eigentlich alle, die von uns fahren wollten. Chrissy und Kulla flogen tags zuvor über Manchester (und machten dort schon mal einen drauf), Nicole & ich am Spieltag mit der Frühmaschine nach Birmingham sowie Manuel und ein Kumpel mit der Mittagsmaschine ebenfalls nach Birmingham (zu den Sorgen der letzteren beiden im eigenen Beitrag mehr…). Flug und Umstieg in die Bahn an die Merseyside verliefen optimal, sodass für Nicole und mich noch Zeit blieb, uns mit Pasty, Cider und Bier für die Fahrt zu versorgen.
 
In Liverpool war das ausgesprochen komfortable Hostel (im Namen meiner Bronchen danke ich Manuel, dass wir diesmal keine schwarzen Tepeten hatten...) mit Google Maps ruckzuck gefunden und wir trafen uns mit den schon bestens gelaunten Warendorfern auf der Matthew Street, wo es in diversen Pubs bereits hoch her ging. Gegen späten Nachmittag machten wir uns dann mit der Taxe auf den Weg zu einer Visite des alt ehrwürdigen Goodison Parks, von wo wir durch den Stanley Park den kurzen Weg nach Anfield antraten. Dort steuerten wir zielgerichtet den erstbesten Pub (King Harry) an, um auf Temperatur zu kommen. Immer mehr Reds strömten herein und es entwickelte sich eine herrlich angenehme Atmosphäre zwischen zwei Fangruppen, die sich mit höchstem Respekt gegenüber begegneten. Es wurden Schals und noch mehr Pints ausgetauscht, zusammen gelacht und diversen Vereinen und Funktionären die Pest an den Leib gewünscht. Irgendwann ergoss sich die Masse fast wie auf Knopfdruck auf die enge Straße, auf der sich jetzt tausende Fans sammelten.
Minuten später bog der Mannschaftsbus der Reds um die Kurve und die Meute war nicht mehr zu halten. Was für eine Stimmung! Schallende Gesänge, Bengalos – das ganze Brimborium. Wer da als Spieler nicht bis in die Haarspitzen motiviert wird, dem ist nicht mehr zu helfen. Wir machten uns nun ebenfalls auf den Weg ins Stadion. Wenn die Jungs da alle richtig mitmachen, kommt das YNWA wirklich gut. Die gute Anfangsstimmung wurde in den ersten zehn Minuten zu unserer Freude von einem Sturmlauf in Schwarzgelb jäh unterbrochen und das hätte gern auch so bleiben dürfen. Aber nach dem Anschlusstreffer zum 2:3 war das Stadion nicht mehr zu bremsen. Wenn Dir der Putz vom Oberrang auf die Rübe rieselt, dann weißt Du einfach, dass ein Stadion ein Spiel gewinnen kann.

Die Laune bei uns war entsprechend. Auf der Suche nach Gründen dackelten wir wieder in den Pub ums Eck und bedienten uns eines Hilfsmittels der ganz alten Schule: Biertrinken, bis der Schiedsrichter Schuld hat - und das ging erstaunlich gut! Die britische Politness tat Ihr Übriges und wir hatten noch einen sehr lustigen Abend. Der Stachel des Ergebnisses saß natürlich trotzdem tief, da half es auch nichts, dass am anderen Morgen bei der Abreise gefühlt halb Liverpool uns zu einem großartigen Auftritt auf den Rängen beglückwünschte. Dass auch unsere Gruppe eine gute Visitenkarte abgegeben haben, zeigt die Tatsache, dass vier Jungs aus Liverpool zum Supercup gegen die Tiroler bei uns zu Gast sein werden.

Schauen wir also mal, wo uns die Losfee als nächstes hinführen wird. Dann wieder in der Champagner-Liga. Wegen so Kleinigkeiten wie dem Erwerb des Eigenheims habe ich nicht vor, in der Hinrunde eine Europa-Tour zu machen - wahrscheinlich bis irgendein Altgedienter den FC Barcelona aus der Lostrommel zieht ;-)

P.S.: Sollte jemand mal nach Liverpool kommen, geben wir den guten gemeinten Rat, niemals zu Bon Jovi auf einem Barhocker zu tanzen!


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Schwarzgelbe Grüße von
: Basse mit Nicole, Chrissy & dem Kulla Sepp

Donnerstag, 2. Juni 2016

Liverpool



Schon der Name allein löst bei vielen Fußballbegeisterten Gänsehaut aus. Und nun hatten wir auch die Gelegenheit mit unserem Team dort zu spielen. Wir waren zu sechst vor Ort, angereist jeweils in zweier Gruppen. Ich war mit Manni eine der Gruppen, wir hatten uns ja ziemlich vor einem Jahr in Turin kennen gelernt. Wir wollten wenigstens einen Tag vor Ort haben, um die Stadt anzusehen. Wir flogen am Donnerstag hin und am Samstag zurück. Richtig gut erreichen kann man die Stadt nicht. Wir flogen daher nach Birmingham. Von dort mussten wir allerdings noch eine längere Zugfahrt machen. Mit dem Zug von daheim nach Düsseldorf verbrachte ich daher mehr Zeit in Zügen als im Flieger und gab dafür auch fast so viel aus. Unsere Anreise erwies sich als zu knapp, weil wir zum einen die Umsteigezeit nicht mit eingerechnet hatten und zum anderen die Stunde Zeit vergessen hatten.
Das Hostel lag laut maps weniger als acht Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, und die Zeit ist ja eher für Rentner angegeben. Manni hatte extra die Karte auf sein Handy runter geladen. Es konnte also nichts mehr schief gehen. Eigentlich. Scheinbar gibt es die Straße des Hostels zwei Mal. So liefen wir und liefen, die Leute auf den Straßen wurden weniger und die Wohnhäuser mehr. Doch lieber ein Taxi? Aber es kam keins. Da hielt ein Auto mit einem englischen Pärchen an und fragte uns, ob wir mit wollten. Wir waren etwas unschlüssig, da wir ja noch unsere Taschen dabei hatten. Die beiden fuhren an den Straßenrand und der Fahrer stieg mit einer Büchse Bier aus. Dachten wir – bis uns klar wurde, dass es ja der Beifahrer war. Die Tante der Fahrerin wohnte direkt (!) neben dem Stadion und die beiden konnten sozusagen als Anwohner dort parken. Polizeikontrollen sahen wir keine. Wir tranken noch zusammen mit den beiden und dem Onkel zwei Bier, bis wir uns ins Stadion aufmachten. Ich hatte noch eine Literflasche Wasser aus Plastik dabei. Alles kein Problem, alles konnten wir mit rein nehmen.

Nach dem Spiel feierten wir gemeinsam mit den Eingeborenen in mehreren Kneipen, jeder wollte uns auf ein Getränk einladen. Ob das Mitleid so groß war?
Am nächsten Tag waren nur noch Manni und ich da. Wir nahmen uns den Klassiker: Fisch und Chips, der Ketchup landete nur auf dem Fisch, nicht auf den Pommes. Das Wetter war typisch englisch. Am Abend probierten wir noch marokkanisch aus. Eine gute Wahl. Allerdings wurde kein Alkohol ausgeschenkt. Noch ein paar Kaltgetränke an der Bar und am nächste Morgen ging es heim. Es guter Trip – nur eine einzige Minute zu lang…

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Schwarzgelbe Grüße von
: Manuel

Donnerstag, 26. Mai 2016


Estádio Municipal de Braga e  Estádio do Dragão



23.-25.02.2016 Sporting Braga – FC Sion 2:2 und FC Porto – Borussia Dortmund 0:1 

Die Losfee Alex Frei meinte es mal wieder gut mit uns und ermöglichte uns eine Reise ins schöne Städtchen Porto, zum Rückspiel der Europa League-Zwischenrunde im Estadio Dragao in Porto. Als Warm-up bescherte uns das Los zudem einen Besuch in Braga, wo das Rückspiel der Zwischenrunde zwischen dem SC Braga und dem FC Sion einen Tag zuvor auf dem Programm stand.

Los ging es am Mittwochmorgen ab Köln/Bonn. Das klassische Frühstück im Zug wurde in der erst besten (und einzigen) Bar im Abflugbereich fortgesetzt. Nachdem man bereits einige bekannte Gestalten gesichtet und begrüßt hatte, ging es in den Flieger Richtung Porto. Da das Spiel in Braga an dem Tag bereits um 17:00 Uhr Ortszeit angepfiffen wurde, war der Zeitplan eng gesteckt und es durfte nicht wirklich viel dazwischen kommen.
Traditionell ging der Biervorrat der Fluglinie schnell zur Neige – trotz äußerst fanfreundlicher Bierpreise – so dass schnell auf Ersatzgetränke umgeschwenkt werden musste.

Planmäßig wurde Porto erreicht. Nach kurzem Aufladen des Erfrischungsgetränkevorrats nahmen wir die nächste Bahn Richtung Innenstadt. Dort konnte wir, nach kurzer Wartezeit und erneutem Auffüllen des Getränkehaushalts unser Apartment beziehen. Nach kurzem Aufenthalt ging es gleich weiter zum Bahnhof. Dort wartete unser Zug in Richtung Braga. Nach einer Stunde erreichten wir Braga, wo wir auch gleich mit dem nächsten Taxi Richtung Stadion fuhren. Das Stadion ist einzigartig und dem einen oder anderen sicher noch von der EM 2004 im Gedächtnis. Dort holte damals Rudis Rumpeltruppe ein sensationelles 0:0 gegen die Fußballmacht Lettland… Vor dem Stadion waren die Schweizer Fans vom FC Sion gefühlt in der Überzahl. Die Karte war mit 50,00 € in der günstigsten Kategorie auch gleich ein richtiger Schnapper – aber was soll‘s. Europa League ist halt ein Gourmetspaß vom Feinsten.
Das Stadion war mit knapp 5.000 Zuschauern bei einem Fassungsvermögen von 30.000 Zuschauern eher spärlich besetzt. Einzig der Gästeblock war gut gefüllt. Im Stadion herrschte freie Platzwahl. Da es sich bei den Teams um weiß-rot gegen rot-weiß handelte, fielen die vielen schwarz-gelben (insbesondere für eine unbeteiligte Gruppe) schon deutlich auf.

Das Spiel versprach nicht wirklich Spannung, da Braga das Hinspiel in Sion mit 2:1 gewonnen hatte. Trotzdem entwickelte sich eine muntere Partie. Auf Seiten von Sion wusste ein gewisser Gekas zu Gefallen. Ein Stürmertyp, der uns nach wie vor ein Schauern in die Glieder fahren ließ, beim Gedanken an seine unzähligen Eiertore, die er in der Bundesliga für diverse Teams gegen uns erzielt hat. Ein Typ Stürmer, den es im modernen Fußball eigentlich nicht mehr gibt: weder schnell, noch technisch versiert, steht aber immer richtig und ist in der Lage, mit allen Gliedmaßen seines Körpers irgendwie den Ball über die Linie zu befördern…

Am Ende stand es 2:2. Sion hätte gefühlt den Sieg und das Weiterkommen verdient gehabt. Der Support der Schweizer war sehr ordentlich, was wir dann auch gleich entsprechend beim Verlassen des Stadions honorierten. Vor dem Stadion traf man sich dann noch an der einzigen Bierbude Bragas zum lockeren Kaltgetränk mit den Schweizern. Die Verständigung war eher schwierig, da die meisten Fans aus Sion lediglich Französisch sprachen. Chappi fanden alle toll, Alex Frei hingegen stieß auf wenig Begeisterung… Egal, mit dem Taxi ging es zurück zum Bahnhof. Dabei erwischten wir vermutlich den einzigen Nicht-portugiesischen Taxifahrer – er war Schweizer und der deutschen Sprache mächtig – was sich durch einen Zufall bemerkbar machte…

Mit dem Schnellzug ging es zurück nach Porto, wo wir noch in einer Bar mit romantischem Neonlicht den letzten Humpen nahmen, bevor der Abend letztlich in den gemütlichen, heimischen Gefilden bei einem Kanisterchen Rotwein und einer YouTube-Session zu Ende ging. 

Der nächste Morgen begann leicht fröstelnd. Auch wunderten wir uns, dass alles im Apartment mit einer feuchten Note versehen war. Der frische Morgentau im portugiesischen Sonnenlicht war es nicht, wie sich beim Blick in den Raum entpuppen sollte. Stattdessen grüßte der schwarze Schimmel von den Wänden… Erst jetzt wurde uns bewusst, warum unsere Bleibe so günstig war. Das Zähneputzen fand zur Sicherheit mit Rotwein statt. Alkohol tötet ja ab und so war man sich einig, dass man in dem Seuchennest lieber auf Nummer Sicher gehen sollte.

Zum Frühstück suchten wir das erst beste Café am Platze auf. Nach üppiger Bestellung entschlossen wir uns, den Tag mit einem Fläschchen Sekt zu beginnen. Manuel trieb es, ob der unklaren Kosten, die das verursachen würde, gleich den Angstschweiß auf die Stirn. Im Laden löste es eine gewisse Hektik aus. Sekt wird dort wohl nicht jeden Tag geordert und so musste schnell ein Sektkühler organisiert werden und die einzige Flasche aus der Auslage schnell für ein paar Minuten in den Kühlschrank. Stilecht servierte uns dann auch der Chef des Ladens das Getränk – zumindest wurde er extra aus den Hinterzimmern geholt um uns unser Getränk zu bringen. Schnell machten wir uns Freunde im Laden, in dem wir an die Bediensteten unsere schwarzgelben Aufkleber verteilten. Trotz Sprachbarriere kam man irgendwie ins Gespräch…

Danach stand eine Stadtführung auf dem Programm. 2,5 Stunden Walking Tour durch Porto. Wirklich empfehlenswert und verdursten musste man auch. Jetzt spielte auch das Wetter mit, so dass man sogar nur noch ein T-Shirt brauchte. Nach der Tour suchten wir die Uferpromenade auf, wo wir uns letztlich zum Essen und Trinken niederließen. Schwarz-gelbe Schals waren sehr begehrt. Doch da musste schon ein passendes Tauschobjekt für her. Der Wirt konnte allerdings lediglich einen Benfica- Schal auftreiben, der später im Stadion auf alle Fälle gut versteckt werden musste, da es sich um die Erzfeinde des FC Porto handelt.

Nach dem Spiel feierten wir noch in einer Kneipe, die direkt einen Kiosk integriert hatte. Für einen Donnerstag war hier die Hölle los – und es waren nicht nur Fußballfans!

Am nächsten Morgen regnete es Bindfäden und waren froh, dass es nicht am Tag zuvor so war. Beim Frühstück im Café unseres Vertrauens wurden wir freundlich von unseren neuen Freunden begrüßt, schade war’s, dass wir nicht noch bleiben konnten, aber so soll’s am Ende einer guten Reise auch sein!

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Schwarzgelbe Grüße von
:

Manu, Basse, Marcel, Holger